Menschen mit Behinderungen: Die heterogene Zielgruppe im Usability-Test

timo am 7. Februar 2010 / Tags: , , , / 8 Kommentare

Testperson mit MundsteuerungWir bei Aperto wollten die heterogene Gruppe der Menschen mit Behinderungen durch Nutzertests ins Rampenlicht holen und haben die Website “einfach teilhaben” des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit 22 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen getestet.
Hier die 18 interessantesten Ergebnisse: Einfach-teilhaben.de im Usability-Test mit Menschen mit Behinderungen.

140 Zeichen

heike am 16. März 2009 / Tags: , / 1 Kommentar

twitter Ab sofort gibt es Vorsprung-Inhalte auch im Telegrammstil. Vorsprung durch Webstandards twittert unter @javajim über Barrierefreiheit, Webdesign und User Experience. Lauft uns nach, wenn ihr mögt.

Wie surfen blinde Menschen mit Screenreadern?

timo am 1. März 2009 / Tags: , , , / 6 Kommentare

Jaws - Film und Screenreader Zum Thema Usability und Screenreader fehlen oft Studien und der direkte Kontakt zu blinden Menschen. Meist wird auf Verdacht gearbeitet und vieles bleibt unklar.

Webaim schafft Klarheit. Die amerikanische Accessibility-Organisation hat 1121 Screenreader-Nutzer befragt, wie sie mit welchem Screenreader im Web surfen. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, die 1121 Antworten sind äußerst aufschlussreich.

Die 3 wichtigsten Erkenntnisse der Screenreader-Befragung:

1) Überschriften sind das wichtigste Navigationsmittel für Nutzer, die mit Screenreadern surfen.

76% always or often navigating by headings when they are available. Use of heading navigation increased with screen reader proficiency with them being used always or often by 90.7% of expert users.”

2) Eine einfach erreichbare und gut nutzbare Suche ist elementar.

Over half of the respondent always or often use search when it’s available. This emphasizes the importance of not only providing search functionality, but providing it in an easy-to-find and use manner.

Will man es den Nutzern leicht machen, dann sollte das erste Formularfeld auf einer Seite das Suchfeld sein.

3) Auf viele Fragen wie Alternativtexte für Bilder, Linktext des Logos oder Mehr-Links gibt es keine klaren Antworten. Die Angaben unterscheiden sich je nach Erfahrungsgrad der Nutzer.

Das macht noch einmal deutlich, dass es nicht den typischen Screenreader-Nutzer gibt. Man hat es mit Individuen zu tun, die unterschiedliche Erfahrungen und Vorlieben haben. Hier fängt gutes Webdesign an.

Die Studie im Detail: Survey of Preferences of Screen Readers Users

Webaim kündigt an: Weitere detaillierte, qualitative Auswertungen der Umfrage folgen. Also dran bleiben.

Valider Code ist nicht alles

timo am 2. Juli 2007 / / 13 Kommentare

Im aktuellen Entwurf der WCAG 2.0 fehlt weiterhin — wie kontrovers diskutiert wird — die Vorschrift, dass der Code validieren muss. Stattdessen gibt es eine recht umständlich formulierte Richtlinie, die vorschreibt, semantisches HTML zu verwenden:

1.3.1 Info and Relationships: Information and relationships conveyed through presentation can be programmatically determined or are available in text, and notification of changes to these is available to user agents, including assistive technologies. WCAG 2.0

G115: Using semantic elements to mark up structure and H49: Using semantic markup to mark emphasized or special text (HTML) WCAG 2.0 Quick Reference

Ist das schlimm? Kommt auf die Perspektive an. Denn eigentlich ist die Anforderung “verwende semantisches HTML” viel härter als die Anforderung “verwende valides HTML”. Bedeutungsvolles (semantisches) HTML zu schreiben ist die eigentliche Herausforderung bei der Entwicklung von hochwertigen und gut zugänglichen Websites.

Eine Website kann durchaus validieren und trotzdem nicht barrierefrei, plattformunabhängig, suchmaschinenfreundlich und zukunftsfähig sein.

So kann z.B. eine Website, die keine Überschriften oder Listen-Elemente verwendet, beim W3C-Validator prima abschneiden. Eine Website hingegen, die eine durchdachte Überschriften-Hierarchie verwendet und Listen geschickt einsetzt, fällt formal durch, weil sie ein leeres <span> beinhaltet.

Bei Barrierefreiheit geht es in erster Linie nicht um Validität, sondern um Zugänglichkeit. Ähnlich bei Webstandards. Hier geht es auch in erster Linie nicht um Validität, sondern um Qualität. Webstandards sind Techniken und Qualitätsrichtlinien, die nicht allein per Code-Validierungsprogramm maschinell überprüft werden können.

It is the idea of quality, not standardization, which provides the compelling argument for the Web Standards Project and for the W3C. Web Standards: it’s about quality, not compliance

Eine valide Website zu gestalten ist einfach. Nur die Formalien müssen stimmen. Alles muss richtig geschrieben sein. Alle Tags müssen an der richtigen Stelle auf und zu gehen. Ob allerdings der Code sinnhaft oder elegant geschrieben ist, ist völlig egal.

Eine semantische Website zu gestalten ist hingegen schwierig. Der Code muss bedeutsam strukturiert sein. Es müssen die HTML-Elemente verwendet werden, die den Inhalt am besten beschreiben. Stil und Grammatik sind hier maßgeblich, nicht nur die Rechtschreibung.

Es gibt also keinen Grund zu jammern, dass im WCAG2 keine Regel steht die lautet: “XHTML and CSS has to be valid” oder in W3C-Sprache “create documents that validate to published formal grammars.”

Die Richtlinie, die im aktuellen Entwurf der WCAG2 steht, ist viel anspruchsvoller als eine reine Validierungsrichtlinie.

Eins noch zum Schluss: Das soll nicht heißen, dass Websites nicht validieren sollten. Das sollten sie sehr wohl. Aber: Valider Code ist nicht alles und macht nur einen kleinen Teil einer qualitativ hochwertigen Website aus.

CNN beta: Die barocken Zeiten sind vorbei

timo am 12. Juni 2007 / /

CNN betaCNN.com beta ist weniger ein Relaunch als ein gut durchdachtes Re-Alignment: Abgerundete Ecken, weniger Dekor, mehr Weißraum. Die Artikelaufbereitung mit der kompakten Darstellung der “Story-Highlights” im Listenformat, der klaren Einbettung von Multimedia-Inhalten und der einfachen “Next-Article”-Navigation ist bemerkenswert. Wie bei anderen kürzlich gerelaunchten amerikanischen Sites (nbc.com, ew.com, mtv.com) wirken die Inhalte fokussiert und großformatig. Den Nutzern wird weniger Masse vor die Füße gekippt. Den Sneak Preview kann man sich unter CNN.com beta anschauen.

Unterdessen in Deutschland: Eine deutsche Zeitung entdeckt das Fullsize-Format. Außer viel medialem Tamtam bedeutet diese Innovation einzig eine feste Seitenbreite von 990 Pixeln.

Go Samurai, go! Barrierefreiheit mit Sinn und Verstand

timo am 10. Juni 2007 / /

C64-Klassiker The Last Ninja Richtlinien zur Barrierefreiheit sind unbestritten eine wichtige Grundlage, um bessere Websites zu bauen. So ein Vorschriften-Paket, auf das man sich berufen kann, treibt Webentwickler an und verpflichtet öffentliche Auftraggeber zur Barrierefreiheit. Allerdings fehlt den Paketen aus der Bürokratie-Zentrale oft die Pragmatik und der knallharte Realitätsbezug.

Zum Glück haben einige Meister der unkomplizierten Denke, wie Joe Clark, den Kampf gegen die unreflektierte Regelbefolgung noch nicht aufgegeben.

Während sich die WCAG 2.0 immer noch (bzw. wieder) im Working-Draft-Zustand befindet, müssen sich Entwickler weiter mit den Richtlinien von 1999 rumplagen. Viele Regeln der WCAG 1.0 — und der BITV, die darauf basiert — sind vage formuliert oder veraltert, weil sich die Abrufgeräte weiterentwickelt haben.

Um die immer noch gültige Version der Web Content Accessibility Guidelines, kurz: WCAG (sprich: wihkag) , realitätstauglich zu machen, hat Joe aka WCAG-Samurai eine Korrektur der WCAG 1.0-Richtlinien veröffentlicht. Darin listet er auf, welche der Richtlinien im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß sind und wie man als Entwickler damit umgehen sollte.

Den verantwortungsbewussten und reflektierten Umgang mit den deutschen Vorschriften kann man bei “Einfach für Alle” erlernen. Dort gibt es in Matrix-Manier BITV für Alle, Reloaded.

Webstandards-Helden und Script-Wizards gesucht

timo am 25. Mai 2007 / /

Superheld… und solche, die es werden wollen. Aperto sucht Mitarbeiter im Bereich Webstandards und Barrierefreiheit.

Warum wir das bloggen? Weil wir von “Vorsprung” und auch Jens gerne mit netten, heldenhaften Leuten zusammenarbeiten. Jobs bei Aperto.

Mehr zu Superhelden:

POSH: Wenn Websites zu Spice Girls werden

timo am 18. Mai 2007 / /

Spice GirlsDer Begriff “webstandardskonforme Website” klang schon immer ziemlich dröge - irgendwie nach langweiligem Design und geflissentlicher Regeltreue. Besonders viel Liebreiz und Charme versprüht so eine “standardkonforme” Website nicht gerade. Weshalb viele Entwickler auch lieber von “Websites mit semantischem Code” reden. Oder schlicht die Qualität betonen. Was aber, zugegeben, auch nicht gerade glamouröser klingt. Mehr Pop also? Die Microformats-Community versucht seit der Web 2.0-Expo den Begriff “POSH” als heißen Markennamen zu etablieren. POSH steht für “Plain Old Semantic HTML”. Mit POSH werden Websites rausgeputzt:

Posh is an adjective, with a dictionary meaning of “smart or fashionable”, “elegant, stylishly luxurious”, “spruced up, smart or polished.
Wikipedia

Mit Girl Power soll dem Buzzword “Ajax” Konkurrenz gemacht. Hier der erste Song, ein Remix von “Spice Up Your Life”, featuring Molly Holzschlag:

POSH up your site
Aaahh!!!
Float it to the left
If you’re having a good time
Float it to the right
If you know that you feel fine
z-index to the front
Uh Uh go round
position it to the left
If you’re having a good time
Molly Holzschlag. POSH Up Your Site!

Bei Youtube wurden noch keine Videos gesichtet.

Warum Webstandards immer noch wichtig sind

timo am 9. Februar 2007 / / 5 Kommentare

“Den Sieg? Das war kein Sieg … Begonnen der Angriff der Klonkrieger hat.” – Yoda. Star Wars Episode II

So langweilig das klingt: Der Kampf für ein besseres Web ist noch lange nicht gewonnen. Es gibt noch immer zu viele dunkle Sith-Lords. Roger Johansson, Jedi-Ritter der Webstandards-Welt, warnte deshalb vor längerem bereits vor einer verzerrten Wahrnehmung:

“Let’s not stop fighting too early. The battle (…) has not been won. I would say that it has only just begun.” – Roger Johansson. Why standards still matter

Kleine Siege wie Wired, ABC News, News.com oder Tagesschau.de können nicht darüber hinwegtäuschen: Das Web wird weiter von schlecht gestalteten, tabellenbasierten Websites wie Google, Ebay, Amazon, RTL und Bild.de bestimmt. Die meisten neuen Seiten werden über MySpace — also als in Codebrei gegossene Tabellen — ins Web gepustet und nicht über Blogger oder Wordpress.

Yoda Noch immer weiß nur eine Minderheit von Webentwicklern um die Vorteile und Eleganz von Webstandards. Die Mehrheit schrubbt Code wie vor 5,6 Jahren. Alles, was eine Wirkung hat, wird benutzt, wild durcheinander geworfen und munter kombiniert.

Die Webentwickler-Szene befindet sich momentan in einem Dilemma: Die einen wollen nichts von Webstandards wissen und die anderen, die viel darüber wissen, halten Standards, semantischen Code und Barrierefreiheit so langsam für langweilig.

Möge uns die Macht wieder wichtig sein.

“Viel zu lernen du noch hast.” – Yoda. Star Wars Episode II

Links für Webstandards-Ritter:

Text, Hypertext, Web 2.0 und ich

timo am 6. Februar 2007 / / 1 Kommentar

Was ist ein Hypertext? Wie funktioniert die HyperText Markup Language? Und warum dieses ganze Gerede über die Trennung von Inhalt und Design? Und wie wird aus diesem Vernetzungskram schließlich Web 2.0 mit angeschlossener Identitätendiskussion und Free-Culture-Debatte?

Antworten auf diese gesellschaftlich relevanten Fragen kann es 2007 nur im Mash-up-Pop-Song-Musik-Video-Format geben.

Mehr bei Digital Ethnography

pop & theory: Begehrlichkeiten

heike am 5. Februar 2007 / / 1 Kommentar

Gib Nutzern das, was sie wollen, und sie werden unzufrieden sein. Begehrlichkeiten sind abstrakte, träumerische Gebilde und keine Prototypen. In jedem Kopf steckt ein Durchschnittstrottel — als gratis Extra-Feature. Ein Steve Jobs ist eher selten drin.

Ich will genau das. Das ist jetzt angesagt, glaub ich

Die geheimen Verführer

“Man kann nicht davon ausgehen, dass die Leute wissen, was sie wollen. … [Und] man darf nicht unterstellen, dass die Menschen hinsichtlich ihrer Wünsche und Abneigungen die Wahrheit sagen.” – Vance Packard. 1957. Die geheimen Verführer

So und nicht anders. Ich weiß doch wohl selbst am besten …

“There is a difference between what users want and what they need.” – Cal Henderson (Flickr). 2006. SXSW

Ich will eine Hupe … Weiß nicht … ich will …

Homer Simpson

– Also Mr. Simpson, wie hätten Sie das Auto denn gern?
– Weiß nicht … ich will eine Hupe hier und da und da, dass man immer eine findet, wenn man wütend ist … Und da ist noch was! Wenn ich aufs Gaspedal trete, will ich, dass die Leute denken, dass die Welt untergeht. – Homer Simpson (The Simpsons). Staffel 2, Episode 28. Ein Bruder für Homer

Wie hätten Sie’s denn gerne? Hör auf zu fragen.

IPod, Clickwheel

“It’s really hard to design products by focus groups. A lot times, people don’t know what they want until you show it to them.” — Steve Jobs (Apple). 1998.

“Das Web 2.0 ist kein basisdemokratischer, himmlischer Ort”

heike am 21. Januar 2007 / / 1 Kommentar

Tim O’Reilly ist noch immer nicht genervt von dem Begriff Web 2.0. Im Magazin der Berliner Zeitung redet er unaufgeregt und kritisch über das Internet der Gegenwart und seine Prozesse. Obwohl man vielleicht in fünf bis sieben Jahren Möbel und anderes Zeugs der stofflichen Welt herunterladen und 3-D ausdrucken kann, wird sich seiner Meinung nach die Gesellschaft nicht radikal wandeln. Er vergleicht die Entwicklung mit der Einführung von anderen Massenmedien: Der Fernseher machte JF Kennedy zum ersten “Fernseh”-Präsidenten. Die Spielregeln der Politik blieben gleich. Der Computer stand Ende des 20. Jahrhunderts als Massen-Konsumgut in fast jedem Haushalt der westlichen Welt. Die Machtstrukturen der Kulturindustrie blieben gleich.

Das Pokern um Dominanz und Macht ist immer Teil des Spiels. Kreative Prozesse und Innovationskraft — sei es bei der Entwicklung von Textverarbeitung (Microsoft) oder von Suchtechnologie (Google) — werden durch Machtprozesse abgelöst. Das Web 2.0 ist da keine Ausnahme.

“Das Web 2.0 ist kein basisdemokratischer, himmlischer Ort. Es ist ein Machtspiel. (…) Es wird Firmen geben, die enorme Macht anhäufen. Und sie werden diese Macht missbrauchen. Dann wird die Entwicklung des Web 2.0 zum Stillstand kommen und die innovativen Kräfte unserer Gesellschaft werden sich neue Betätigungsfelder suchen.” Tim O’Reilly in Die Vernetzten - Digitalpionier Tim O’Reilly über das Web 2.0

Wem dieses Interview zu kurz ist, findet bei Vitamin zwei weitere Interviews mit Tim O’Reilly als Podcast: Vitamin-Interview mit Tim O’Reilly Teil 1, Vitamin-Interview mit Tim O’Reilly Teil 2

Layout-Tabellen sind zurück

timo am 18. Januar 2007 / / 8 Kommentare

Es sah so aus, als sei das Böse — Layout-Tabellen — besiegt. Doch Microsoft schlägt zurück: Das brandneue Outlook 2007 unterstützt kein Positioning und kein Floating mehr.

Was ist passiert? Molly Holzschlag berichtet: What Really Happened with HTML and CSS in Outlook 2007. Wie kann es sein, dass Outlook auf den Stand des letzten Jahrhunderts zurückfällt und was bedeutet das für Entwickler? Mehr dazu im Blog von Campaignmonitor: Microsoft takes email design back 5 years.

Bleibt nur die Option, für schön gestaltete Newsletter wieder Tabellen einzusetzen. Und als letzte Alternative: Kreative Text-Newsletter — damit hat man auch weniger Firewall- und Spamfilter-Probleme.

Die längste Website der Welt

timo am 25. Oktober 2006 / / 8 Kommentare

Der Taipei 101 im Vergleich zu anderen Wolkenkratzern Wie lang kann eine Webseite sein? 10 Meter? 100 Meter? Unendlich lang? Nein. Jens Meiert baut mit 18,939 Kilometern The World’s Highest Website. Bleiben nur noch zwei Fragen offen: Wie lange braucht man um sie abzuscrollen und wie viel Papier benötigt man, um sie auszudrucken?

Spiele der nächsten Generation

timo am 25. Oktober 2006 / / 2 Kommentare

Absolut 2.0 1) Spielen mit Wörtern - Inspiriert von reißerischen Web-2.0-Hype-Schlagzeilen des Economist spielt Jeffrey Zeldman eine neue Art zynisches Wort-Memory: Web 2.0 Thinking Game und viele spielen mit.

2) Spielen mit Bildern - Pimp up your old logo: Old Economy Logos werden im Web-2.0-Style aufpoliert, tiefergelegt und gespiegelt. So erstrahlen die Markenlogos von Shell, Lego und Adidas in neuem Glanz. Absolut Trash.

Round & Round & Round

timo am 23. Juli 2006 / / 4 Kommentare

Round and round and round and round and we go
Trying so hard to get a hold of everyone here
We’ve got to show how much we love them all
We squeak with idiot fake suprise

The Cure. 1996. “Round & Round & round” auf: Wild Mood Swings

Immer wieder sorgt man sich um sie - runde Ecken. Man kämpft und mogelt mit cleveren Hintergrundbild-Konstruktionen und täuscht Rundungen, Ränder und Schatten vor.

Seit Sliding Doors und ihrer Weiterentwicklung ist das Abrundungs-Grundprinzip zwar recht simpel. Doch hat man es häufig mit sehr speziellen Anforderungen zu tun, die die Sache ziemlich kompliziert werden lassen. Herausforderungen sind:

  • Die Box soll flexibel skalierbar sein.
  • Die Box kann auf unterschiedlichen Hintergrundbilder liegen.
  • Die Box ist schattiert.
  • Die Inhalte der Box können verschiedenartig. Es kommen nicht immer dieselben HTML-Elemente vor.

Lösen kann man das alles immer irgendwie mit Extra-Divs und cleveren Zerschnippeln von Grafiken und verbringt viel Zeit mit Ausprobieren und Positionieren.

Runde Ecken mit Javascript kann beim Rundungsprozess eine sehr brauchbare und zeitsparende Alternative sein. Der Code bleibt clean, die Extra-Divs werden on-the-fly vom JavaScript erzeugt und Hintergrundbilder werden nicht verwendet. Ist JavaScript deaktiviert werden die Ecken wieder eckig.

Nifty Corners ist sehr flexibel und leicht anpassbare Runde-Ecken-Bibliothek mit vielen typischen Runde-Ecken-Designs. Nifty Corners besteht aus einem Javascript, einer CSS-Datei und einer Zeile Code. Nur diese muss ediert werden. Hier gibt man bis zu 5 Merkmale der Rundungen an.

Eine runde Sache ;-) (sorry für das nahe liegende Wortspiel … es ist heiß & schwül …)

Vitamine für die Ohren

timo am 25. Mai 2006 / / 0 Kommentare

Mach die Augen zu und … lausche. In den Vitamin Interviews reden Eric Meyer, Dave Shea u.v.a. über die Zukunft von Stylesheets, einen lang herbeigesehnten Browser oder das spannende Leben eines Webmasters.

Rage Against the Machine: Joe Clark läuft Sturm gegen WCAG 2

timo am 25. Mai 2006 / / 3 Kommentare

Wer interessierte sich 1999 für validen Code und semantisches Markup? Eigentlich niemand. Und schon gar nicht für Barrierefreiheit. Das Accessibility-Kapitel in Nielsens “Designing Web Usability” wurde höchstens mal kurz überflogen. Schließlich wollte man Killer-Websites bauen.

1999 war das Jahr, in dem WCAG 1 (auf dem auch die BITV basiert) veröffentlicht wurde. Zukunftsweisend wurde darin valider Code gefordert:

Guideline 3. Use markup and style sheets and do so properly. (…)
3.2 Create documents that validate to published formal grammars. WCAG 1: Guideline 3

Heute, sieben Jahre später, sind die Themen Webstandards, semantischer & valider Code und Barrierefreiheit für viele Webentwickler und Website-Betreiber wichtig geworden. Das WCAG sieht das jetzt aber anders. Von validem Code ist der zweiten Version, die kurz vor der offiziellen Veröffentlichung steht, keine Rede mehr.

Ist das denn schlimm? Schließlich kann doch eine Website leicht bedienbar, zukunftsfähig und barrierefrei sein ohne zu validieren, könnte man denken. Sicher, doch geht es bei einem Dokument wie dem WCAG 2 auch um Ideale und Haltung — gerade wenn man davon ausgeht, dass es vielleicht erneut sieben Jahre dauern wird, bis eine neue Version erscheint.

Aber nun weg vom Ideologischen hin zum Pragmatischen: Was würde man sich von einem neuen WCAG wünschen — was müsste besser sein? Eine überarbeitete Version des WCAG sollte sinnvolle, konkrete, praxisnahe Regeln enthalten, die für Webentwickler und vor allem auch Website-Betreiber leicht verständlich sind. Das WCAG 2 ist aber zum Teil unverständlicher und schwammiger als sein Vorgänger, obwohl die Grundstruktur sehr durchdacht aussieht. Den Machern ist dieser Mangel wohl bewusst, weshalb sie ein 167-seitiges Dokument “Understanding the WCAG 2″ als Packungsbeilage veröffentlicht haben. Man kennt ja Packungsbeilagen …

Joe Clark formuliert das Problem um einiges schärfer:

The fundamentals of WCAG 2 are nearly impossible for a working standards-compliant developer to understand. (…) WCAG 2 is not enough of an improvement and was not worth the wait.
Joe Clark: To Hell with WCAG 2

Joe Clark ist ernsthaft sauer. Doch schmeißt er nicht hin oder lästert einfach zynisch und für Leser unterhaltsam. Nein, er will Rache und formiert eine WCAG-Samurai-Gruppe für bessere, klarere Regeln. Man kann gespannt sein, schließlich ist Kill Bill 2 ist auch besser als der erste Teil.

Wenn CSS-Superhelden zu “Underwear Perverts” werden

heike am 2. Mai 2006 / / 0 Kommentare

Eigentlich eine grandiose Präsentation, die Andy Budd und Andy Clarke vor kurzem auf der SXSW gehalten haben: “How to be a Web Design Superhero” erklärt, wie man im Web des 3. Jahrtausends überlebt und warum es nicht leicht (aber ehrenhaft) ist, ein CSS-Superheld zu sein. Eigentlich. Denn wie Jeremy Keith schreibt, ist nicht länger jeder dahergelaufene Superheld auch ein Superheld. Marvel und DC, die beiden Mainstream-Größen unter den Comicverlagen, haben sich ein Trademark an “super hero” geklebt und — hey — angesichts dessen kann man natürlich nicht einfach so von superheldenhaftem Webdesign reden. Cory Doctorow, der einen Marvel-Superhelden-Sprachboykott vorschlägt und empfiehlt, nicht mehr von Superhelden, sondern “underwear perverts” zu reden, hat Keith inspiriert, die Webdesign-Superhero-Show durch seinen Transmogrifier zu schicken: “How to Be a Web Design Underwear Pervert”. Das ist wahre Protest-Kultur.

Das Ende der E-Business-Namen. Oder: Georg Lucas stand Pate.

timo am 2. April 2006 / / 1 Kommentar

Die Macht zwischen dem Web und den Sternen ist aus dem Gleichgewicht geraten. Waren vor nicht allzu langer Zeit Webangebote mit “-online” oder “e-” klar als solche markiert (außer dem Kreativ-Ausreißer Yahoo), tragen Web 2.0-Websites heutzutage phantastische Namen, ganz so als würden sie aus einem anderen, schöneren Universum stammen. Oder aus einem Star-Wars-Film.

Bestimmt kein Zufall. Genauso wie Georg Lucas vermeiden wollte, dass seine Star-Wars-Charaktere zu sehr nach Science-Fiction klingen, versuchen die Star-Wars-sozialisierten Web-2.0-Gründer Assoziationen mit Elektronik, Informatik, Maschinen und Technik zu vermeiden. Amidala wäre jedenfalls ein toller Name für einen glamourösen und demokratischen Social-Network-Dienst. Und ist Jabba nicht dieser webbasierte IRC-Dienst? Das Ratespiel zum Thema: Web-2.0-Star-Wars-Quiz - möge die Macht mit dir sein.

P.S.: Im New York Times-Artikel von 1997 “The Names Came From Earth” wird erklärt, wie George Lucas zu den Namen kam. Der Ursprung der wohlklingenden und tiefgründigen Namen der Star-Wars-Figuren ist ein Mash-Up aus kulturellen Mythen und Sagengestalten.

Jäger des verlorenen Schatzes

timo am 13. Februar 2006 / / 10 Kommentare

Auf der Suche nach dem perfekten fluiden Layout hat Matthew Levine mit seiner “Holy-Grail-Methode” vielleicht noch nicht den heiligen Gral gefunden.

Das mag darin liegen, dass sein Weg nicht so abenteuerlich war. Die Holy-Grail-Methode steht sicher on the “Shoulders of Giants” wie etwa Eric Meyers Multi-Unit-Any-Order Columns und dem One true Layout von Position is Everything.

Matthew Levines nutzt clever das überlieferte Wissen über CSS und Browser-Bugs um daraus eine überzeugende, einfache Methode zu entwickeln, mit der man eine Website so gestalten kann, dass sie aus zwei fixen Randspalten und einer flexiblen Hauptspalte besteht – ohne dabei zusätzlich unsemantische Div-Elemente zu verwenden.

Die Holy-Grail-Methode ist dabei nicht einfach nur ein billiger Abklatsch oder eine unnötige Cover-Version, sondern besticht durch ihren Minimalismus und die Kombination von negativem Positioning und Floats. Und ist origineller als eine Oasis-Platte.

Das Web ist das Web ist das Web.

heike am 19. Januar 2006 / / 0 Kommentare

Jeffrey Zeldman hat genug von all diesem Versionsnummern-Gequatsche. Pointiert und selbstironisch redet er in seinem Text “Web 3.0” dem Internet den Hype aus und bringt alle, die wie er das Web lieben, zurück in die Zukunft. Dorthin, wo man die Wundertüten-Show, die Haie und die Superstars nicht allzu ernst nimmt. (Keine Sorge, wir kreischen nur, wenn Rockstar Zeldman auf die Bühne tritt. Und auch nur, weil er so toll schreibt.)

To you who feel like failures because you spent last year honing your web skills and serving clients, or running a business, or perhaps publishing content, you are special and lovely, so hold that pretty head high, and never let them see the tears.

As for me, I’m cutting out the middleman and jumping right to Web 3.0. Why wait?

Jeffrey Zeldman, Web 3.0

Gelungene Redesigns - Episode 1

heike am 16. Januar 2006 / / 15 Kommentare

Keine Gurke des Tages. Nicht nur Hobby-Blogger verwenden Webstandards. Während sich die Szene zofft, ob zu viel oder zu wenig gekuschelt wird, geht die taz hin und macht einen auf standardkonform. Einfach so: Sauberer Code. Und worüber sollen wir jetzt bitteschön diskutieren, liebe taz?? Am Ende wird noch das Internet besser. Das wär echt ne Gurke des Tages.

taz (www.taz.de)

taz, Titelseite vom 16.01.2006Das ist ein Relaunch wie ihn die Leser besonders gerne mögen: Alles am alten Platz, man muss sich nicht umgewöhnen und es lädt schneller.

Die Seiten lassen sich bei der taz tatsächlich so schnell umblättern wie bei kaum einer anderen Online-Zeitung. Das ist auch kein Wunder, denn im Quelltext (schlappe 14 KB, Startseite) steht fast mehr Inhalt als Markup. Das ausgewogene Inhalt-Code-Verhältnis freut nicht nur die Leser (Ladezeit), sondern auch die Entwickler (Übersichtlichkeit) und Google (Inhaltsdichte / Findability). Die Seite ist mit 4-5 divs grob gegliedert und arbeitet im Stylesheet effizient mit verschachtelten Selektoren, um nicht jedes Mal ein neues div oder span verwenden zu müssen (Descendant selectors, Selektor-Serie bei BereaStreet) z.B.

#boxmitte ul {
}
#kopf div.werbung {
}

Sowohl die globale Navigation im Kopf als auch die Zeitungs-Navigation in der linken Randspalte ist semantisch als Liste markiert und wird ganz ohne Zusatz-spans oder -divs formatiert. Der Navigations-Standort wird codesparend mit einer Klasse im li-Element (li class="aktiv") hervorgehoben:

<div id="navigation1">
<ul>
<li class="aktiv">Startseite</li>
<li><a href="http://www.taz.de/pt/.1/archiv/suche.demo,1">Archiv</a></li>
<li><a href="http://www.taz.de/pt/2006/01/14.1/magIndex">Magazin</a></li>
<li><a href="http://www.taz.de/pt/2006/01/13.1/mondeIndex">Le Monde diplomatique</a></li>
<li><a href="http://www.taz.de/pt/.1/tunnelnf">TomTunnel</a></li>
</ul>
</div>

Weitere Highlights:

  • Die Schrift ist skalierbar
  • das Layout passt sich flexibel an das Browserfenster an
  • der Code validiert (XHTML 1.0 Transitional)

Mehr demnächst womöglich in einem gesurft hier ganz in der Nähe.

Pop & Theory: Wörter

timo am 16. Januar 2006 / / 0 Kommentare

Am Anfang war das Wort, das verlinkte Wort. Danach folgten im Web Bilder, Töne, Filme und die Utopie des Internets als interaktive Fernseh-Show. Die Couch-Potato-Utopie ist Vergangenheit.

Im gegenwärtigen Web 2.0 sind Wörter wichtiger den je. Wichtiger als Technik. Ohne Wörter keine Findability. Wörter stehen im Zentrum einer Medien(r)evolution. Wörter sind zum Machtinstrument geworden.

Bei diesem semantischen Ringen um Relevanz reicht es nicht, die richtigen Wörter zu kennen. Die richtigen gibt es ohnehin nicht. Erst im Gebrauch, im Kontext und im vernetzten Denken entstehen spezifische Bedeutungen. In dieser Offenheit liegt gleichzeitig die Stärke wie auch die Schwäche von Wörtern: Sie sind unpräzise und mehrdeutig. Und es ist fast unmöglich, genau das auszudrücken, was man meint.

Große Möglichkeiten, aber vage Bedeutung

While the Web’s architecture rests on a solid foundation of code, its usefulness depends on the slippery slope of semantics. It’s all about words. Words as labels. Words as links. Keywords.
[...]
And words are messy little critters. Imprecise and undependable, their meaning shifts with context.

– Peter Morville. 2005:14. Ambient Findability. - Buch, Amazon.com-Verkaufsrang 2467 (US)

Große Gefühle, aber keine Worte

Words, don’t come easy, to me,
how can I find a way,
[…]
Words, don’t come easy, to me,
this is the only way,
for me to say
I love you
words don’t come easy

F.R. David. words. - Song, 1982 Nummer-1-Hit in 10 Ländern

Failed Redesigns Made in Germany – Episode 1

heike am 13. Januar 2006 / / 37 Kommentare

Genug Kuschelblogging. Jetzt mal zu all diesen Murks-Websites da draußen. Joe Clark, der Henryk M. Broder der Webstandards-Welt, hat vor einer Woche die Reihe “Failed Redesigns” gestartet und in bester WaSP-Manier erbarmungslos mit dem Party-like-it’s-1999-Club abgerechnet. Wer im 21. Jahrhundert seine Website relauncht, soll dies gefälligst professionell machen und Webstandards verwenden. Alles andere ist Kindertennis.

A failed redesign pretends that valid code and accessibility guidelines do not exist; it pretends that the 21st century is frozen in the amber of the year 1999. It indicates not merely unprofessional Web-development practices but outright incompetence. Joe Clark

Schließlich kann es nicht angehen, dass Teenager in ihren Hobby-Blogs besseren Code verwenden, als die Webentwickler von großen kommerziellen Sites. Da läuft gehörig was schief.

A failed redesign is a Web page created from scratch, or substantially updated, during the era of Web standards that nonetheless ignores or misuses those standards. Joe Clark

Bei Vorsprung geht die Reihe “Misslungene Redesigns” in die erste Runde.

Episode 1

Focus Online www.focus.de

Titelseite Focus OnlineSieht harmlos aus. Etwas blasser als vor dem Relaunch: Weniger Rot, sehr aufgeräumt, fast ein bisschen dröge. Und fast auch ein bisschen langweilig für jeden Web-Entwickler: Ein paar Listen, Überschriften, kantige Boxen und dann Feierabend. Könnte man denken. Doch der Code ist gruselig.

Immerhin: Focus hat den Trend erkannt. Websites werden ja heutzutage tabellenlos gebaut. Soweit, so gut: Hurra, keine Tabellen. Mehr Fachwissen hatte die Relaunch-Chaostruppe allerdings nicht. Der Code ist vollkommen verschwurbelt (a href vor h), strotzt vor div-Verschachtelungen, wo ein li genügt hätte, und ist voll gestopft mit Inline-Stylesheets, altbewährten Blind-Gifs und esoterischer Abstands-div-Kunst:

<div class="abstand15">&nbsp;</div><div style="padding-bottom:15px;"><div
class="linie-b6-home">&nbsp;</div></div><div style="width:385px; padding-bottom:7px;"><div>

Die Überschrift des Nachrichtenaufmachers wird durch dieses HTML-Artwork formatiert:

<div class="linie-b6-home">&nbsp;</div></div>
<div style="width:385px; padding-bottom:7px;">
<div style="float:left; width:200px; overflow:hidden;">
<a href="#" target="_top" onClick="" title="One-Man-Show endet Das Macht-Vakuum nach Scharon" class="headline-sub"><h4 class="dachzeile-home">One-Man-Show endet</h4> <img src="http://a.relaunch.focus.de/_.gif" width="1" height="3" border="0" alt=""/><br/>Das Macht-Vakuum nach Scharon</a><br/>
<img src="http://a.relaunch.focus.de/_.gif" width="1" height="4" alt=""/><br/>
...

Fakten:

  • Das p-Element wird nicht verwendet
  • Die News-Überschriften auf der Titelseite haben eine h4
  • Die Überschrift auf der Artikelebene ist mit einem span-Element markiert
  • die Textanzeige unter dem Artikel hat eine h1-Überschrift
  • Auf der Startseite kommt keine Liste (ul) vor
  • Alle Versalien sind hardgecodet
  • Es gibt 417 Inline-Styleangaben
  • HTML: 218 errors, CSS: 2 errors.

To Be Continued.

FTD.de wird plattformunabhängig

heike am 13. Januar 2006 / / 2 Kommentare

Good news, everyone. Die Financial Time Deutschland hat angekündigt, den Online-Auftritt unter www.ftd.de in Kürze für mobile Endgeräte barrierefrei zugänglich zu machen. Wie in der Horizont (2/2006) nachzulesen ist, soll die Website völlig plattformunabhängig werden:

In den nächsten Wochen will die FTD ihren Webauftritt unter ihrer Adresse www.ftd.de [...] für alle mobilen Endgeräte auf HTML-Basis verfügbar machen — unabhängig vom Provider und Typ des Smartphones oder Handys, sofern ein Browser installiert ist. Bisher waren die URL und die Darstellbarkeit der Inhalte vom jeweiligen WAP-Anbieter abhängig. – Horizont, 2/2006

Die FTD ist damit die erste überregionale News-Site in Deutschland, die den Extra-Eingang für Handys, PDAs, Blackberrys und Co. abschafft. Man darf gespannt sein.

Happy Computer People

timo am 12. Januar 2006 / / 0 Kommentare

Die Welt in Videospielen ist böse und belanglos geworden. Statt auf verschlungenen Pfaden durch einen verwunschenen Wald zu laufen, schlurft man gestylt durch die kalten, perfekt simulierten Straßen von Los Angeles. Quietschbunte Levels wurden von entseelten Ghettowelten abgelöst. Auf gelb-rote Pilze hüpft heute keiner mehr. Niedliche Klempner und Igel sind zu kaputten Ghettotypen mutiert.

Das ist zwar medienpädagogisch unbedenklich, doch trotzdem äußerst anstrengend: Echtzeit-Stress mit der Gang. Dauer-Ärger im Hood und weit und breit keine Röhre in Sicht, in die man mal zu einem kurzweiligen Bonuslevel abtauchen könnte. Es gibt doch nichts Langweiligeres als die Gangsta-Medien-Realität.

Spielspaß war gestern, als die Geschichten unrealistisch, der Himmel blau und die Sonne gelb waren. Die “Blue Sky in Games Campaign” kämpft für Happy-Retro-Gaming-Standards. Bei so viel einlullender Harmonie sieht Theodor W. Adorno rot: Sonic, the Tilling Machine * Mit extra Spielspaß-Boost.

Firefox als P2P-Zentrale

heike am 4. Januar 2006 / / 3 Kommentare

Es gibt wohl keine Firefox-Extension, die so gespannt erwartet wird, wie AllPeers. Die Erweiterung macht Firefox zu einer Tausch-Zentrale für digitale Inhalte. Interessant ist nicht die Idee an sich, sondern die Umsetzung (erste Screenshots). Über eine Buddy-Liste kann man lokal gespeicherte Dateien für Freunde freigeben und tauschen (das Ganze ist Bittorrent-basiert). Es macht den Austausch so einfach, dass sich jeder fragen wird, warum er jemals seine Powerpoint per Mail rumgeschickt hat. Während Hollywood sicher sofort wieder an die dunkle Seite denkt (eine Antwort darauf gibt’s im AllPeers-Blog Fear, Uncertainty and Peer-to-Peer), sollte man nicht vergessen, dass AllPeers tatsächlich das Zeug hat, das soziale Web zu bereichern.

With AllPeers, I can share photos and home movies with my parents, songs (and anything else) with friends, and also access the files that they choose to share. This single firefox extension will massively increase the attractiveness of that already popular browser, drawing more millions away from embattled Internet Explorer. Michael Arrington, Techcrunch

Die Integration eines Tausch-Netzwerks in einen Browser ist so genial massentauglich, dass alle Muttis und Vatis dieser Welt auf Firefox umsteigen werden, um die neuesten Familienfotos auszutauschen.

Goodbye RSS-Button — Hello Feed-Icon!

heike am 23. Dezember 2005 / / 3 Kommentare

Kein normaler Mensch versteht auf Anhieb, was RSS ist (obwohl die Idee dahinter tatsächlich piep-einfach ist). Nur wer zum Kreis der Eingeweihten gehört, findet die kryptischen orangefarbenen XML-, RSS-, Atom- und RDF-Buttons so großartig wie ein Teenager, der seine Stereoanlage besonders cool findet, weil seine Mami den Ausmach-Knopf nicht findet. Doch mit dem Distinktionsgehabe ist jetzt Schluss.

Vor gut einer Woche gab’s im Blog von Microsoft die sensationelle Bekanntmachung, dass Internet Explorer 7 sich anpasst und das Firefox-RSS-Symbol verwendet. Die MS-Office-Abteilung schloss sich einen Tag später an (RSS icon goodness). Selten gab es eine versöhnlichere Einigung auf einen Industrie-Standard. Statt technischem Akronym ist jetzt ein international verständliches Icon Erkennungszeichen für Nachrichten-Feeds:
Das neue Feed-Icon mit Senden-Symbol
RSS wird endlich zugänglicher.

Something as small as a name or icon choice can make a big difference in how approachable a new feature is. I’m encouraged that we’re further distancing browsers from the awful “RSS” as a feature name and icon identifyer. We don’t call web pages “HTML+CSS+JavaScript Pages” and we don’t identify them in the browser using little icons containing “HTML” and “CSS” acronyms; We shouldn’t do it for feeds either. Asa Dotzler, Mozilla

Damit wir uns alle schneller vom kryptischen RSS-Button verabschieden, hat Matt Brett eine Initiative gestartet (der Hintergrund ist nachzulesen unter The New Standard Feed Icon). Auf Feedicons.com gibt es das neue Icon in allen Formaten, Größen und Farben zum Download. Kickt die alten Nerd-Buttons raus und sagt es weiter!

Bills köstliche Favoriten

heike am 23. Dezember 2005 / / 2 Kommentare

Microsoft hat del.icio.us kopiert. Huch, nein. Das wär ja wenigstens was. Die neuen Windows Live Favorites sind so bescheiden, dass man nur sorgenvoll den Kopf schütteln kann. Der Dienst beschränkt sich auf eine sensationell progressive Funktion:

Now you are ready to add and organize your favorites in meaningful folders for access anytime, anywhere.

Klingt nach Amtsstube: Abstempeln, abheften, zustauben lassen. Nur dass man jetzt den Ordner anywhere ausm Schrank ziehen kann. Alles, was del.icio.us und andere Social-Bookmark-Dienste so populär gemacht hat (ad hoc Vernetzung, Wissenstransfer, etc.), sucht man bei den Live Favorites vergeblich. Die Links liegen schön statisch in ihren Aktenordnern. Sie vernetzen sich nicht, reden nicht miteinander und lassen sich nicht auf eine Tasse Tee einladen. So ein soziales Tauschdings wäre ja womöglich eine Sicherheitslücke – da ist man bekanntlich bei Microsoft sehr vorsichtig.

Cultural Hacking per CSS

timo am 19. Dezember 2005 / / 13 Kommentare

Hacking ist gut und wichtig. Hacking ist nicht destruktiv und zerstörerisch, sondern verbessert die kulturelle Umwelt.

Es geht [bei Hacking] um eine Umcodierung und Neuformulierung der Dinge, um das Verwenden fremder Systeme für die eigenen Zwecke. Und natürlich um eine Kritik. Franz Liebl: Cultural Hacking - Powerpizza statt Powerbook.

Auch beim Hacking mit CSS haben Web-Entwickler Wege geschaffen, wo eigentlich keine sind. Web-Entwickler haben die nachlässige Programmierung des Internet Explorer genutzt und sie gegen ihn verwendet. Ohne CSS-Hacks hätte es den Webstandards-konformen Relaunch von Wired.com 2002 so nie gegeben.

Nicht zuletzt ist es auch ein Erfolg des Cultural Hacking mit CSS, dass sich Internet Explorer 7 endlich weitgehend an die Standards hält und künftig weniger Hacks nötig sind.

Ohne CSS-Hacks wäre das Web heute ein trauriger, innovationsloser Ort: Eine Müllkippe voller Tabellen und Blind-Gifs. Nur durch den pragmatischen Fortschritt, den Hacks ermöglicht haben, ist semantischer Code und Barrierefreiheit heute überhaupt ein Thema.

Doch stopp, nicht alle CSS-Hacks sind kulturelle Höchstleistungen. Manche sind beschränkt, andere unnötig. Und einige von ihnen werden bald von IE 7 kräftig aufgemischt.

Wie man sich gegen die Rache des IE 7 schützen kann, zeigt Kimberly Blessing:
Avoiding CSS Hacks for Internet Explorer

Wie er damals die “Box der Pandora” öffnete, erzählt CSS-Hacker Tantek Celik:
Pandora’s Box (Model) of CSS Hacks and other good intentions

Wie man auf viele Hacks ganz verzichten kann, erklärt Björn Seibert:
CSS Hack Diät

Tiefer in die kulturellen Praktiken des Hacking einsteigen mit Franz Liebls Buch:
Cultural Hacking. Kunst des Strategischen Handelns

CSS Fiction

timo am 17. Dezember 2005 / / 0 Kommentare

Z’s not dead baby, Z’s not dead, sagt Andy Clarke und brettert mit seinem CSS-Chopper davon. Fantastische Abenteuer warten auf ihn …

Was bisher geschah: Man dachte Z-Index sei mit seinem Komplizen Positioning von Frauenheld Float um die Ecke gebracht worden. Doch sie waren nur untergetaucht und planten mit Internet Explorer 7 ihre glorreiche Rückkehr. 2006 ist die Zeit reif für eine neue CSS-Ära mit transparenten Png-Effekten.

Was wirklich geschah:

Fabienne: Whose motorcycle is this?
Butch: It’s a chopper, baby.
Fabienne: Whose chopper is this?
Butch: It’s Zed’s.
Fabienne: Who’s Zed?
Butch: Zed’s dead, baby. Zed’s dead. - Pulp Fiction (1994)

Per Anhalter durchs Web 2.0

heike am 16. Dezember 2005 / / 0 Kommentare

Auch auf dem unwahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive des Web sollte man nie ohne Reiseführer unterwegs sein (wie wir wissen, steht man sonst leicht am Rande eines Nervenzusammenbruchs). Toll, dass Peter von Blog Age (zusammen mit den Jungs von Connected-Web, live.hackr und web-zweinull) jetzt einen Reiseführer für das Web 2.0 gestartet hat: Spot on für ” Web-2.0-Spot” das erste Netzwerk von deutschsprachigen Blogs zum Web 2.0!

VdW 2.0

Heike Edinger & Timo Wirth am 14. Dezember 2005 / / 1 Kommentar

Es war Zeit für ein Upgrade: Die erste Version von Vorsprung durch Webstandards ist an einem grauen Novembertag auf einer Bahnfahrt zwischen Berlin und Trier entstanden. Es war eine Materialsammlung zu einem Vortrag und sah aus - geben wir’s zu - wie eine Materialsammlung zu einem Vortrag: Ein paar thematisch gruppierte Textlinks und ein Mailto in der Randspalte. Mehr ließ der Akku im ICE nicht zu.

Ganz im Cameron Moll’schen Sinne ist die neue Version von Vorsprung nicht wirklich ein Redesign, sondern eher ein Realign, eine sachte Optimierung und Neu-Anpassung: Ohne uns von liebgewonnenen Elementen zu trennen, haben wir hie und da etwas nachjustiert, um die wildgewachsenen Inhalte besser zu strukturieren und leserfreundlicher zu präsentieren. Die Interview-Serie “Falling in love with CSS” hat eine eigene Rubrik bekommen (”Interviews”), genau wie die Sammlung an theoretischen Texten. Damit es künftig etwas häufiger neue Inhalte von Vorsprung gibt, schreiben wir ab sofort auch kürzere Sachen, die man nicht ausdrucken muss und am Bildschirm lesen kann.

Wir können uns übrigens dem Wunsch von EfA-Chefblogger Tomas nur anschließen: Gerne würden wir 2006 mehr gute, kritische, verrückte, nützliche, unterhaltsame deutschsprachige Texte zu Webstandards und Barrierefreiheit verlinken. Wir freuen uns auf eure Texte. Schließlich kann es nie genug gute Inhalte geben.

News(paper) Reader

heike am 12. Dezember 2005 / / 0 Kommentare

Von wegen die Printzeitungen lernen’s nie. Der Guardian hat einen schönen, kostenlosen RSS Reader herausgebracht (für Win), der (brav und zuverlässig - nicht so wie der hier) die Zeitung bringt. Und: Die gut platzierte Hochglanz-Anzeige im Guardian Reader zeigt, dass sich die werte RSS-Leserschaft wohl an Werbung gewöhnen muss. Guardian Desktop News Reader

Chef, wir müssen unsere Homepage für Firefox optimieren!

heike am 10. Dezember 2005 / / 1 Kommentar

Endlich kriegen die Webstandards-Helden Verstärkung aus der Marketing-Abteilung. In Why You Should Consider Budgeting a Site Redesign for Firefox 1.5 Now plädiert Heidi Anderson knallhart für einen Umstieg auf Webstandards - ohne das Wort “Webstandards” auch nur in den Mund zu nehmen! Wicked =)

This special report is written specifically for marketers. You’ll learn the Six Business Benefits of a Redesign, and get a suggested Five-Step Action Plan, plus lots of useful additional info hotlinks. MarketingSherpa.com

via 456 Berea Street

y.ah.oo.licio.us

heike am 10. Dezember 2005 / / 1 Kommentar

Yahoo entwickelt sich zur Paris Hilton des Web 2.0. Nach dem trendigen Accessoire Flickr haben sie sich jetzt den tollsten aller Social-Software-Dienste gekauft: del.icio.us. Joshua Schachter freut sich, dass er jetzt zur netten “Yahoo! family” gehört. Yahoooooooooooooooo!!!?

Ich muss gleich mal das schlaue Yahoo-Oracle befragen (via Blog Age :-)), ob die flippigen Yahoo-Designer jetzt das schöne Informatiker-Grau wegmachen …

Take back the city

timo am 7. Dezember 2005 / / 0 Kommentare

Muss die Tussi mich so platt angraben? Warum ist die Kampagne so dröge? Schluss damit. Jetzt schlägt die Zielgruppe mit Sprechblasen zurück und Werbeplakate werden wieder kreativ. Aus Bullshit werden kreative Anzeigen. Kulturkonsumenten produzieren aktiv mit und verändern nachhaltig ihre Umwelt. Das ist Web 2.0 im real life.

Das Bubble Project stattet den urbanen Raum mit Sprechblasen aus.

Im Bundestagswahlkampf 2005 tauchten in Berlin Kreuzberg fast unbemerkt wachstums-kritische Merkels und wohlstands-skeptische Schröders auf.

Wie wichtig und wirksam diese Bubbles sind, zeigte schon bubble bobble aus C64-Zeiten.

Quick’n'Dirty Lösung für Firefox 1.5-Faxen

heike am 5. Dezember 2005 / / 0 Kommentare

Wer die “accessible image replacement“-Technik einsetzt, wird sich - genau wie ich - gewundert haben, dass Firefox 1.5 beim Raufklicken den Rahmen so lang zieht … Marko Dugonjić hat ein Workaround geschrieben Remove annoying rectangle in the latest Firefox build

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