Rage Against the Machine: Joe Clark läuft Sturm gegen WCAG 2
Wer interessierte sich 1999 für validen Code und semantisches Markup? Eigentlich niemand. Und schon gar nicht für Barrierefreiheit. Das Accessibility-Kapitel in Nielsens “Designing Web Usability” wurde höchstens mal kurz überflogen. Schließlich wollte man Killer-Websites bauen.
1999 war das Jahr, in dem WCAG 1 (auf dem auch die BITV basiert) veröffentlicht wurde. Zukunftsweisend wurde darin valider Code gefordert:
Guideline 3. Use markup and style sheets and do so properly. (…)
3.2 Create documents that validate to published formal grammars. – WCAG 1: Guideline 3
Heute, sieben Jahre später, sind die Themen Webstandards, semantischer & valider Code und Barrierefreiheit für viele Webentwickler und Website-Betreiber wichtig geworden. Das WCAG sieht das jetzt aber anders. Von validem Code ist der zweiten Version, die kurz vor der offiziellen Veröffentlichung steht, keine Rede mehr.
Ist das denn schlimm? Schließlich kann doch eine Website leicht bedienbar, zukunftsfähig und barrierefrei sein ohne zu validieren, könnte man denken. Sicher, doch geht es bei einem Dokument wie dem WCAG 2 auch um Ideale und Haltung — gerade wenn man davon ausgeht, dass es vielleicht erneut sieben Jahre dauern wird, bis eine neue Version erscheint.
Aber nun weg vom Ideologischen hin zum Pragmatischen: Was würde man sich von einem neuen WCAG wünschen — was müsste besser sein? Eine überarbeitete Version des WCAG sollte sinnvolle, konkrete, praxisnahe Regeln enthalten, die für Webentwickler und vor allem auch Website-Betreiber leicht verständlich sind. Das WCAG 2 ist aber zum Teil unverständlicher und schwammiger als sein Vorgänger, obwohl die Grundstruktur sehr durchdacht aussieht. Den Machern ist dieser Mangel wohl bewusst, weshalb sie ein 167-seitiges Dokument “Understanding the WCAG 2″ als Packungsbeilage veröffentlicht haben. Man kennt ja Packungsbeilagen …
Joe Clark formuliert das Problem um einiges schärfer:
The fundamentals of WCAG 2 are nearly impossible for a working standards-compliant developer to understand. (…) WCAG 2 is not enough of an improvement and was not worth the wait.
– Joe Clark: To Hell with WCAG 2
Joe Clark ist ernsthaft sauer. Doch schmeißt er nicht hin oder lästert einfach zynisch und für Leser unterhaltsam. Nein, er will Rache und formiert eine WCAG-Samurai-Gruppe für bessere, klarere Regeln. Man kann gespannt sein, schließlich ist Kill Bill 2 ist auch besser als der erste Teil.
3 Kommentare »
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Kill Bill Vol. 2 ist besser als 1?
Zum Rest möchte ich beipflichten. Schade, denn wenn WCAG 2 wirklich so veröffentlicht wird, dann ist die ganze positive Entwicklung der letzten paar Jahre, welche ja nicht zuletzt durch die WCAG 1 verursacht wurde, wieder gefährdet. Schade, dass all die schlauen Leute aus den Blogs, die ich so lese, da nichts mitzureden haben. (Ich meinte das jetzt nicht ironisch!)
MfG Ole
Comment von Ole Staack — 25.05.2006, 22:58 Uhr
[...] Vorsprung durch Webstandards | Rage Against the Machine: Joe Clark läuft Sturm gegen WCAG 2 [...]
Pingback von » Technikwürze #23 — cne _LOG Archiv — 31.05.2006, 21:44 Uhr
Webstandarts können doch nur dann greifen wenn es die grossen Web Firmen vormachen, oder diesen enhalten würden. Schaut euch doch mal Google, ebay usw an.
Comment von Jens — 06.10.2006, 17:20 Uhr